Mit Golfity lesen wir das Grün

Nik Volz

21. Juni 2019

Es ist Sonntag und wir stehen auf dem Golfplatz. Die Konkurrenz in unserer Gruppe ist groß, aber das Match läuft bisher wie geschmiert. Blauer Himmel, der Wind steht gut und wir sind in Führung gegangen. Wenn jetzt der letzte Schlag sitzt, ist das Spiel gewonnen. Konzentriert tasten unsere Augen den Boden zwischen Golfball und Loch ab. Die vermeintlich ideale Linie ist gefunden. Tief durchatmen und das Ziel anpeilen, dann sanft ausholen und dem Ball den finalen Impuls geben – Enttäuschung macht sich breit, als bereits nach wenigen Sekunden klar ist: das war nichts. Der Abhang war doch etwas steiler als gedacht, einen kleinen Hügel unterschätzt und der Ball rollt schließlich mehr als knapp am Loch vorbei. Es fehlt schlichtweg die Routine im sogenannten »Grün lesen«.

Wie gut wäre es, wenn es für diese Herausforderung eine kleine Hilfestellung im Training gäbe? Ein Tool, mit dem man das das Erkennen der Oberfläche und Abwägen der Schlagmöglichkeiten effektiver trainieren kann, als im bloßen Learning-by-doing?

Wir präsentieren: Golfity - eine digitale Lösung zum Ermitteln eben dieses optimalen Putts. Als »Putt« bezeichnet man die letzten Schläge auf einer Spielbahn im Golf; dann, wenn der Ball nur noch Richtung Loch zu rollen hat. Also auch der Schlag, der über Sieg oder Niederlage entscheidet.

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Entstanden ist die Produktidee aus von uns bereits explorierten Technologien und entwickelten Algorithmen. Beides kombiniert, während unseres jährlichen Hackathon »Chaos Days« einmal kurz um die Ecke gedacht und schon standen wir auf dem Golfplatz – mit dem Smartphone in der Hand, und einer Projektion in die Realität: Augmented Reality, die »erweiterte Realität«, ermöglicht es uns, mithilfe unseres Smartphones digitale Inhalte wie beispielsweise die perfekte Linie für einen Putt in die Realität zu spiegeln.

Um die perfekte Linie zu ermitteln, filmen wir im ersten Schritt den Weg vom Golfball bis zum Loch ab. Dann kommt Apples ARKit zum Einsatz. Das Kit ist eine Art Werkzeugkasten, der es Entwicklern erleichtert, etwas in AR zu lösen. Das ARKit wertet für uns die Bilderreihe aus und erstellt eine Punktwolke. Mit Hilfe dieser Punktwolke können wir nun ein ziemlich genaues 3D-Modell erstellen und die Oberfläche der Spielbahn als Mesh konstruieren. Im Fachjargon spricht man dabei von »world tracking«.

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Jetzt, wo wir die Umgebung haben, fehlt noch ein sehr wichtiger Schritt: das Festlegen der physikalischen Eigenschaften. Denn das Gewicht und die Größe des Balls, sowie der Rollwiderstand oder die Reibung auf der Oberfläche sind Parameter, die das Ergebnis natürlich wesentlich beeinflussen. Hierbei hilft uns Apples SceneKit. Mit dieser Bibliothek können die Eigenschaften optimal angepasst werden. Ein »evolutionärer« Algorithmus geht unterschiedliche Schlagmöglichkeiten durch. Dabei werden stets nur die 30% der erfolgreichsten Schläge weiter verfolgt. Die restlichen 70% scheiden aus – ein klassisches »survival of the fittest«. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis es schlussendlich einen letzten übrigen Optimalschlag gibt. Dieser wird einem nach nur wenigen Sekunden auf dem Smartphone präsentiert und im Livebild auf der Wiese dargestellt.

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Mit einem derart effektiven Training steht dem Sieg so gut wie nichts mehr im Wege - vorausgesetzt, der Spieler kann die perfekte Linie auch fehlerfrei umsetzen. Wir haben die digitale Lösung jedenfalls erfolgreich getestet und sind sehr gespannt auf mutige Herausforderer. ;)

Keine Freiwilligen? Dachten wir uns schon… Um echte Gegner zu schaffen, sind wir momentan am überlegen, wie und mit wem wir das Produkt erfolgreich auf den Markt bringen können. To be continued…!