Agile Teams und die Kunst, schnelle Entscheidungen zu treffen

Michael Rosenfelder

12. Dezember 2018

Zeit ist heute ein kostbares Gut. Alles muss durchgetaktet sein, geplant und planmäßig durchgeführt werden. Man darf keine Zeit verlieren. Dazu gehört auch, sich nicht lange mit Entscheidungen aufzuhalten. Selbstorganisierte Teams bieten dafür die perfekte Grundlage.

Schnelle Entscheidungen sind nicht per se schlecht

Wir haben es schon immer geahnt, der Verhaltensökonom Dan Ariely hat es in seinen Studien bewiesen: Unsere Entscheidungen sind in vielen Fällen nicht rational zu erklären. Es gibt unzählige Faktoren, die unsere Entscheidungsfreude beeinflussen – Angst ist einer davon. Dabei macht uns nicht die Entscheidung ansich Angst, sondern dass wir durch sie etwas verlieren könnten. Diese Verlustangst ist es, die uns bei bewusster Entscheidungsfindung lähmt.

Auch deswegen finden wir Menschen Bauch-Entscheidungen toll. Die meisten unserer 20.000 Entscheidungen am Tag sind solche unbewussten, fast unüberlegten Entscheidungen. Und sie sind – entgegen des gefühlten Rationals – nicht nachweislich schlecht. Man muss also nicht »eine Nacht darüber schlafen«, um eine gute Entscheidung zu treffen. Studien zeigen, dass unsere Gefühle oder unsere Umgebung unsere Entscheidungen beeinflussen.

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In der agilen Arbeitswelt liegen die Vorteile von schnellen Entscheidungen nicht nur wegen der Umgebungsvariablen auf der Hand. Schließlich sind endlose Diskussionen auch tödlich für Prozess und Deadline. Und je eher man Kundenfeedback bekommt, desto schneller kann man iterieren. Das klingt vorteilhaft, in einer Welt des globalen Wettbewerbs.

Schnelle Entscheidungen zu treffen muss auch keineswegs heißen, dass sie jeglicher Grundlage entbehren. Eine Entscheidung schnell herbei zu führen bedeutet lediglich, sich nicht ewig alle Türen offen zu halten.

Wie entscheiden wir uns eigentlich?

Um schnelle Entscheidungen treffen zu können, muss man sich vor allem über eines im Klaren sein: Wie will man Entscheidungen treffen? Varianten dafür gibt es zur Genüge: Einzelentscheid, Mehrheitsentscheid, Konsens- oder Konsent-Entscheid sind nur eine Hand voll davon. Und jede bringt Nachteile mit sich: Gut verkaufte Meinungen werden oft überbewertet und kleine Gruppen mit wichtigen Einwürfen werden schlimmstenfalls überhört.

Das macht die Entscheidung, wie man denn nun eigentlich entscheiden will, nicht einfacher. Um den besten Weg für uns zu finden, haben wir die verschiedenen Varianten an unseren Werten gemessen:

Für uns bedeutet das: Wir wollen jedem die Möglichkeit geben, Entscheidungen treffen zu können. Wir wollen »den Entscheider« bestenfalls obsolet machen. Wir sind der Überzeugung, dass Experten – also in unserem Fall der Pool, Entscheidungen besser treffen als ein Vorgesetzter (stay focused). Wir wollen, dass komplizierte Entscheidungsprozess der Vergangenheit angehören (stay lean) und unsere Anwender ins Zentrum unseres Handelns stellen (stay human).

Der konsultative Einzelentscheid

Mit dem konsultativen Einzelentscheid haben wir genau das gefunden, was wir gesucht haben: Eine unterstützende, dynamische Methode, die unseren Werten und Zielen entspricht:

Gilt es, eine Entscheidung zu fällen, bei der nicht alle einer Meinung sind, bestimmt das Team einen Decision-Lead: Bei Gestaltungsfragen macht es Sinn, einen Designer zu wählen, bei Produktfragen trägt der Product Owner die Verantwortung – und so weiter. Der Decision-Lead ist dabei kein Alleinentscheider. Er ist dazu angehalten, sich die Meinungen der Anderen im Zwiegespräch einzuholen. Im Zweifel kann es sogar nötig sein, die Meinung aller einzuholen.

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Im Anschluss liegt es beim Decision-Lead, wie die Entscheidung ausfällt. Er bewertet die eingeholten Meinungen und das Team vertraut der Urteilskompetenz des Experten für die offene Fragestellung.

Unser Fazit

Der konsultative Einzelentscheid greift dann, wenn man keinen schnellen Konsens finden kann. Er ist weder eine Garantie für die beste Entscheidung, noch wird die Entscheidung der Meinung aller entsprechen. Richtig eingesetzt verhindert er aber, dass sich Teammitglieder übergangen fühlen. Es werden keine Entscheidungen mehr aus heiterem Himmel präsentiert, sondern der Entscheidungsprozess wird nachvollziehbarer. Die Verantwortungen werden auf viele Schultern verteilt, ohne zu verschwimmen, womit ein Entscheidungsmonopol vorgebeugt wird. So verbessert der konsultative Einzelentscheid das Klima innerhalb eines Teams oder der Firma nachhaltig.